Die Entwicklung vom Reggae in Österreich

Die Entwicklung vom Reggae in Österreich

Österreich und Reggae passt nicht zusammen, denkt man? Stimmt nicht! Nicht nur, dass wir mit „Sunsplash“, „Spring Vibration“, „Jammin Reggae Open-air“ und dem „Bleimaika Reggae Fest“ eigene Festivals für die jamaikanische Musik haben, auch tummeln sich in der hiesigen Szene diverse Reggae-Bands und -Künstler, beispielsweise White Vibration, ParaCuda, Keen Tunez, Rastafahnda, Tschebberwooky, Jahpremacy, Thai Stylee oder Inn-a-valley.

Die Entwicklung des deutsch-sprachigen Reggae ist noch recht jung und nahm ihren Anfang Ende der 1970er-Jahre in Deutschland, als von Gruppen wie beispielsweise der Nina-Hagen-Begleitband Spliff erste eigene Reggae-Tracks veröffentlicht wurden. Es folgte der Bayer Hans Söllner, der in den 1980er-Jahren mit seinem deutsch-sprachigen Reggae Erfolge feierte. Den Durchbruch erzielten deutsch-sprachige Reggae-Bands aber erst in den 1990er-Jahren mit Künstlern wie Gentleman und Seeed.

Auch für den österreichischen Reggae waren die Neunzigerjahre entscheidend. Zwar hat Konzertveranstalter Franz Bogner schon Mitte der Achtzigerjahre die Sunsplash-Konzerte eingeführt und die jamaikanischen Rhythmen in Österreich populär gemacht, aber originäre österreichische Reggae-Bands gründeten sich erst später. So beispielsweise gründete sich Kärntens längstdienenste Reggae-Band White Vibration 1996, die mittlerweile die Reggae-Rhythmen mit dem Kärntner Dialekt kombiniert. Die Wiener Band Chefpartie um Kurt Ostbahn setzt sich in ihrem Song „Rusta Rasta“ (2007) – einer Reggae-Parodie – kritisch mit Reggae in Österreich auseinander. „Karli, du wohnst in Eisenstadt, doch du glaubst du wohnst in Trenchtown“, heißt es hier, um zu schließen „Heast, Karli, du bist ned da Bob Marley und a Gspia, des lernt ma nie“. Dieser allerdings ignoriert völlig die politische Dimension des Reggae wie auch seine Entstehung aus einer Migrationsgeschichte.

Kurt Hauenstein, aka Supermax, der “König des Groove”, der lange in der Karibik gelebt hat und auf dessen Platten auch Reggae-Einflüsse zu hören sind, fasst das Problem des österreichischen Reggae wie folgt zusammen: „Wenn man zu Reggae-Konzerten in Österreich geht, fragt man sich, woher all diese hässlichen Menschen kommen – sind die aus dem Kanal geschlüpft?“ Leider hat Reagge in Österreich immer noch ein Schmuddelimage. Mit neuen Ideen soll sich hier etwas ändern. So standen die 2000er-Jahre ganz im Zeichen von Dancehall und Dub, wie man ihn beispielsweise von Singjay Danny Ranks hören kann, der in Österreich mit dem Ambassajah Camp und den Ambassajah Records Reggae auf eine neue Stufe hebt. Hier ist eine Plattform für verschiedene Künstler entstanden, hier werden Sänger, Musiker, Soundleute, Grafiker und Kameramänner vereint, es gibt ein eigenes Studio und ein eigenes Label. Die erste CD des Ambassajah Labels, „Ambassajah Showcase Vol. 1“, bietet einen Querschnitt durch das Schaffen der Ambassajah-Artsist, von den Old-Schoolern Jahpremacy über den Youngster Rebel King, der auf Patois singt, bis hin zu Audio Claus, der ein österreichisches Patois singt.

Die aktuelle österreichische Reggae-Szene ist vor allem in Wien beheimatet – hier finden mitunter sogar mehrere Reggae-Veranstaltungen an einem Abend statt. Bemängelt wird, dass viele österreichische Reggae-Künstler zu sehr auf das Soundsystem setzen, da die einzige österreichische Reggae-Backing Band House of Riddim oftmals auch jenseits der Landesgrenzen Konzerte gibt und nicht verfügbar ist.

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